Zum Sagenschatz von Christian Ludwig Wucke haben Sie über ebook direkten Zugang.
Auf den Seiten 85 bis 93 in " Sagen der mittleren Werra " können sie sich einlesen in sagenhafte Geschichten um
Liebenstein.
Unter http://books.google.de bitte Wucke und Sagen eingeben. Sie
können dann in der Ausgabe von 1864 blättern und lesen !
Einige Zeichnungen zu ausgewählten Sagen
Zeichnungen von A.Paulik zur Entdeckung der Heilquelle (Surborn)
Zeichnungen zur Sage des eingemauerten Kindes auf Burg Liebenstein
und von den Hunden von Wenkheim auf Burg Altenstein
Vom eingemauerten Kind auf Burg Liebenstein
Burgsagen, in Verse gebracht vom Burgpoeten
( Nach L. Bechstein – Richter – Heimbach u.a.)
Als man baute Burg Liebenstein,
Mauerte man ein Kindlein
ein
Im Wahne der guten, alten Zeit,
Die Burg sei dann geschützt und
gefeit.
Eine Mutter gab um schnödes Gold
dem Ritter vom Stein ihr Kindlein hold,
Und ohne Erbarmen und Erschauern,
ließ das Weib sein Kind einmauern.
Die Maurer fügten Stein
auf Stein,
das Kindlein lächelte artig und fein,
es aß von seiner Semmel in
Ruh
Und schaute lächelnd den Maurern zu.
Es blickte vergnügt zur Mutter hin
Und sprach zu ihr in kindlichem Sinn:
„Bald ist schon zu das Kellerloch,
Mein Mütterchen aber sehe ich noch!“
Doch wie der letzte Stein gemauert,
Die Mutter vor
Entsetzen schauert;
Denn dumpf und hohl vom Gemäuer her
Klingt’s „Mütterchen,
ich seh dich nicht mehr“!
Gepackt von Reu und
Gewissensqual
stürzt sich das Weib vom Fels zu Tal;
als irrer Geist um
Mitternacht,
Muß halten dem Kind die Totenwacht.
Die Maurer, die im Frevel gehandelt,
In Eulen sind sie alle verwandelt,
Und Nachts mit schrecklich-schrillem Geschrei
Fliegen sie am Gemäuer vorbei.
Ruhelos wimmert die Mutter ums Kind,
Ruhelos fliegen die Eulen geschwind,
Allesamt um Mitternacht,
halten sie totem Kinde die Wacht.
Bis die Burg in Schutt zerfällt,
Bis der letzte Eulenschrei
gellt,
Solang muß die Mutter wandern,
Bis kein Stein mehr auf dem andern
!
Stehst Du Nachts mal ganz allein
Am Eingang zum alten Liebenstein,
Dann hörst Du wohl im heulenden Wind
Der Mutter Klage ums tote Kind.
Dann raunt’s um Dich sacht
und gespenstet sehr,
Es wispert und pspert immer mehr,
Und grausig klingt
als Melodei
Zum Ohr der Eulen Totengeschrei.